Schimmelbefall – richtiges Lüften und Heizen

Mit Beginn der kalten Jahreszeit kommt es in manchen Wohnungen zu Schimmelbildung. Im ersten Augenblick hat man den Eindruck, die Gebäudehülle oder eine Rohrleitung ist undicht und es dringt Wasser ein. Meist hat die Schimmelbildung aber eine ganz andere Ursache.

Bei einem Wassereintritt bilden sich an Wänden und Decken zuerst dunkle Wasserflecken. Tapeten können dabei Blasen bilden oder sich ganz ablösen. Wenn das Wasser nur über eine kurzen Zeitraum eindringt, trocknet der Wasserfleck relativ schnell wieder ab. Zurück bleiben meist wolkenartige gelb-braune Wasserränder. Schimmel bildet sich in solchen Fällen erst dann, wenn ständig weiteres Wasser eindringt.

Bildet sich der Schimmel auf der Wand- oder Deckenoberfläche ohne ersichtlichen Wassereintritt, so hat dies in der Regel andere Ursachen. Der Schimmel bildet sich dabei meist in Ecken von Außenwänden, im Deckenbereich, wenn darüber eine Balkonplatte auskragt oder im Bereich von Fenster- und Türleibungen bzw. im Bereich von Rollladenkästen. Prüft man an diesen Bauteilen die Oberflächentemperatur, stellt man fest, dass hier die Temperatur wenige Grad kälter ist, als an den übrigen Flächen. Nun kommt das Raumklima ins Spiel. Die Luft kann in Abhängigkeit von der Temperatur nur eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann die Luft speichern. Man spricht deshalb auch von der relativen Luftfeuchtigkeit. Wenn sich die mit Wasserdampf angereicherte warme Raumluft an einem kalten Bauteil abkühlt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit an. Irgendwann kann die Luft den gespeicherten Wasserdampf nicht mehr halten und es fällt Kondensat aus. Diesen Effekt kann man leicht nachvollziehen wenn man sich vor Augen führt, was im Sommer passiert, wenn man eine Flasche Sprudel aus dem Kühlschrank holt: Innerhalb kürzester Zeit bilden sich an der Flasche Wasserperlen, die dann sogar an der Flasche herunterlaufen. Genau das Gleiche passiert, wenn sich die Luft an einem kälteren Bauteil abkühlt. An den Scheiben der Fenster kann man diesen Effekt sehen. Gefährlicher ist es zum Beispiel bei Raufasertapeten. Hier lagert sich das Kondenswasser in der Tapete ein. Durch die Holzbestandteile in der Raufasertapete kann sehr viel Wasser gespeichert werden. Das bildet einen idealen Nährboden für Schimmelpilze.

Nicht selten kommt es vor, dass in einer Wohnanlage bei identischen Wohnungen nur einzelne Wohnungen Probleme mit Schimmel haben. Bei anderen Wohnungen ist alles in bester Ordnung. Bautechnisch sind alle Wohnungen gleich errichtet und ausgestattet. Was kann also die Ursache sein? Oftmals ist es nur eine Kleinigkeit – quasi ein letzter Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Deshalb sollten Wohnungen mit Schimmelbefall zusammen mit den Bewohnern besichtigt und analysiert werden.
 

Wo wird die Wäsche getrocknet?

 
Wenn die Wäsche in der Wohnung getrocknet wird erhöht sich die relative Luftfeuchtigkeit sehr stark. Das muss nicht zwangsläufig zu Schimmelbefall führen. Wenn aber Schimmel entsteht, sollte die Wäsche auf keinen Fall in der Wohnung getrocknet werden.
 

Wie viele Zimmerpflanzen sind in der Wohnung?

 
Jede Zimmerpflanzen erzeugt 24 Stunden am Tag Wasserdampf. Grundsätzlich sollen die Bewohner Freude an einem schönen Pflanzenschmuck haben. Tritt Schimmel auf und es sind viele Pflanzen in der Wohnung sollte man sich überlegen, ob man sich nicht von der ein oder anderen Pflanze trennen kann.
 

Wie wird die Fensterbank genutzt?

 
In vielen Wohnungen dient die Fensterbank als Abstellfläche für Vasen, Dosen, Blumentöpfe und viele andere Dinge. Was auf der einen Seite nett aussehen mag, behindert Sie aber ganz extrem – und zwar beim Lüften. Es ist nicht möglich, den Fensterflügel zu öffnen, um für einen ausreichenden schnellen Luftaustausch (Stoßlüften) zu sorgen. Das Fenster wird allenfalls gekippt.
 

Steht die Badezimmertüre grundsätzlich offen?

 
Viele Bewohner glauben, dass Sie sich richtig verhalten, wenn sie die Badezimmertüre offen stehen lassen. Der Wärmeüberschuss vom Duschen soll dabei in die Wohnung geleitet werden. Genau damit wird aber die Feuchtigkeit in der ganzen Wohnung verteilt. Meist steht dann auch noch die Türe vom (ungeheizten) Schlafzimmer offen. Die feuchtwarme Luft trifft dort auf kalte Außenwände. Kondensat fällt aus. Hier sollte man sich vor Augen halten, was tagsüber – auch während der Abwesenheit der Bewohner – passiert: die letzten Wasserperlen im Waschbecken und in der Duschwanne trocknen ebenso ab wie der Waschlappen, das Handtuch und das Duschtuch. Die Nässe wird von der Raumluft aufgenommen und verteilt sich durch die offene Türe in der Wohnung. Eine geschlossene Badezimmertüre kann verhindern, dass sich die Feuchtwarme Luft in der Wohnung verteilt. Probieren Sie es aus. Es kostet Sie kein Geld – aber möglicherweise sind Sie schon alleine mit dieser Maßnahme das Schimmelproblem los.
 

Ist bei innenliegenden Bädern und WC´s der Lüfter sauber und funktionstüchtig? Wie wird der Lüfter geschaltet?

 
Um den Lüfter in der Wohnung kümmert sich selten jemand. Bei neueren Lüftern befindet sich hinter der Lüfterabdeckung ein Filterflies. Dieses setzt sich bereits nach wenigen Monaten mit Staub zu. Der Lüfter verliert dadurch nach und nach an Leistung. Deshalb sollte der Filterflies regelmäßig gereinigt werden. Sie können den Filterflies mit dem Staubsauger absaugen oder herausnehmen und unter dem Wasserhahn mit lauwarmem Wasser ausspülen. Viele Bewohner sind der Meinung, der Lüfter sei ausschließlich dazu da, Gerüche abzusaugen. Das ist nicht richtig. Der Lüfter soll verbrauchte – und mit Feuchtigkeit angereicherte – Luft aus der Wohnung transportieren. Deshalb sollte der Lüfter regelmäßig eingeschaltet werden.
 

Hängen an den Heizkörpern Gefäße zur Wasserverdunstung?

 
Wenn die Wohnung ohnehin schon mit Schimmel Probleme hat, ist die Luftfeuchtigkeit ohnehin schon zu hoch. In diesem Fall können Sie auf die Gefäße getrost verzichten.

Das A und O zur Vermeidung von Schimmelbefall ist das richtige Lüften bei gleichzeitig ausreichender Heizung. Unter richtigem Lüften verstehen wir die sogenannte „Stoßlüftung“. Dabei werden möglichst in gegenüberliegenden Räumen gleichzeitig die Fenster und Zimmertüren geöffnet. So erreichen Sie einen schnellen Luftaustausch. 3-5 Minuten reichen dabei völlig aus. Ihre Wohnung soll schließlich nicht auskühlen. Ideal wäre es, wenn dieses Stoßlüften mehrmals am Tag durchgeführt wird. Das kann man bei Berufstätigen nicht erwarten. In diesem Fall könnte auf technische Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Wenn ohnehin schon ein elektrischer Lüfter vorhanden ist, kann dieser in den meisten Fällen mit einer Zeitsteuerung ausgestattet werden. Diese Zeitsteuerung sorgt zum Beispiel dafür, dass der Lüfter im Abstand von 4 Stunden immer wieder für 15 Minuten in Betrieb geht. Für den Bewohner fast schon das rundum sorglos Paket. Auf keinen Fall sollten die Fenster dauerhaft gekippt werden. Kippen ist kein Lüften! Bei dauerhaft gekippten Fenstern geht viel Wärme verloren. Gleichzeitig kühlen die Fensterleibungen aus und die Schimmelgefahr im Bereich der Leibungen und des Fenstersturzes nimmt zu. Ein weiterer Effekt entsteht dabei außen an der Fassade. Durch den Warmluftschleier, der aus dem gekippten Fenster tritt, entsteht an der kalten Fassade Kondensat. Schimmelbildung an der Fassade ist die Folge. Oft sieht man an Fassaden über einzelnen Fenstern einen schwarzen Balken. Das zeigt ganz eindeutig, dass das Fenster ständig gekippt wird.

Kontrolle kann manchmal ganz einfach sein. Beobachten Sie Ihre Fensterscheiben. Wenn Sie feststellen, dass sich raumseitig auf der Fensterscheibe Kondensat bildet, sollte dringend gelüftet werden. Es gibt aber auch Hygrometer mit Schimmelwarnfunktion. Ein Hygrometer gibt ein optisches und/oder akustisches Warnsignal, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch wird. Die ideale relative Luftfeuchtigkeit sollte 60% nicht übersteigen.

Oftmals haben die Bewohner Sorge, dass sie sich an einem kalten nebligen Tag beim Lüften die Feuchtigkeit in die Wohnung holen. Die Sorge ist unbegründet. Die Luft mag draußen bei einer Temperatur von 5 °C eine relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % haben. Erwärmt sich diese Luft in der Wohnung – und das geht ganz schnell – sinkt die relative Luftfeuchtigkeit sofort extrem ab. Und hierzu noch eine Information: es kostet weniger Energie, frische Luft zu erwärmen als feuchte Luft auf Temperatur zu halten.

Es gibt aber auch einen Fall, da kann gerade das Lüften zu Schimmel führen. Das kann passieren, wenn Sie im Sommer bei hohen Außentemperaturen – sicherlich in bester Absicht – einen kühlen Keller lüftet. Die warme Luft kühlt sich dann im Keller an den Wänden und an den eingelagerten Gegenständen ab. Innerhalb kürzester Zeit kann es hier zu extremer Schimmelbildung kommen. Deshalb sollte ein kalter Keller an heißen Sommertagen möglichst nicht gelüftet werden.

Wenn der Schimmel trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in der Wohnung entstanden ist sollten Sie schnell handeln. Schimmelsporen verbreiten sich in der Luft und gelangen so in die Atemwege. Deshalb sollte der Schimmel umgehend behandelt und die Ursache erkannt und beseitigt werden. Sicherlich haben wir Ihnen einige wertvolle Tipps gegeben, wie sich Schimmel vermeiden lässt. Sollten Sie trotzdem noch Fragen haben oder eine Beratung benötigen erstellen wir Ihnen gerne ein Angebot. Wir führen dann diverse Messungen durch, um dem Schimmel und seiner Entstehung auf die Spur zu kommen.